• Zum Wesen der abendländischen Kultur
    In der Vergangenheit sind viele Versuche unternommen worden, zu einer Definition des Abendlandes – des europäischen Kulturgedankens – zu gelangen. Man sprach vom christlichen oder auch vom christlich-jüdischen Abendland. Andere suchten eine lineare Begriffsbestimmung in einer langen Traditionskette von der Antike bis in die Gegenwart zu zeichnen. Als alle Unternehmungen einer Begriffsbestimmung unfruchtbar blieben, ersann man sich darauf, das Abendland allein geographisch fixieren zu müssen, was seinen Höhepunkt im Kalten Krieg in der Bezeichnung des Westens wiederfand. Hier erfuhr er als Abgrenzungsbegriff im Antlitz permanenter nuklearer Eskalationsgefahr seine wiederbelebte Negativfunktion, welche bereits zu Zeiten der islamischen Expansionsphasen auf europäischem Gebiet die Haltung zu einem Fremden, einem Feind veranschaulicht. Deshalb hat das Abendland bis in die Gegenwart hinein seine negative Konnotation behalten. Eines haben all diese Versuche nicht geschafft: Sie konnten die europäische Kultur nicht in ihrem Wesen bestimmen.
    Was aber ist das abendländische, das europäische Wesen – seine Grundsubstanz? Es ist die zentrale Frage, wenn man als Europäer begreifen will, wer man selber ist und was die eigene Identität ausmacht.
    Während es in allen kläglichen Versuchen einer treffenden Begriffsbestimmung des Abendlandes immer wieder nur darum ging, es von oberflächlichen Beobachtungen her zu definieren, musste der Blick auf das Wesentliche, das kulturell Verbindende, das Elementare zwangsläufig verdeckt werden. Religion, Philosophie, geographische Ausdehnung von Staat und Gesellschaft, Architektur, Kunst, Musik, Technologie, Diplomatie und Wirtschaft sind allesamt bloße Äußerungen einer Kultur. Von ihnen her eine Gesamtdarstellung über ein großes Ganzes im Einzelnen gewinnen zu wollen ist ebenso töricht, wie platt. Nur ein intellektuell mittelmäßiger Geist würde sich dazu versteigen, ein kartographisches Bild von einem Fluss allein durch die Beäugung eines einzelnen seiner Wassertropfen malen zu wollen. Um seine Kultur in ihrem tiefsten Wesen begreifen zu können, bedarf es einer sorgfältigen Gesamtschau all ihrer Äußerungen.
    Was aber ist dieses Wesen in Bezug auf unsere eigene Kultur? Worin liegt unser tiefstes kulturelles Wesen? Kein anderer vermochte es besser beschreiben zu können, das tiefste Wesen der abendländischen Kultur zu erfassen, als der Geschichtsphilosoph und Kulturhistoriker Oswald Spengler. In seinem Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes“ brachte er es in einem wegweisenden Gleichnis auf den Punkt: „Fliegen, sich von der Erde befreien, sich in die Weite des Weltraumes verlieren: das ist faustisch im höchsten Grade.“(Untergang, S. 357).
    Dieser Drang in die Unendlichkeit ist es, der sich in allen europäischen Kulturerrungenschaften wiederfinden lässt. Angefangen von den großen Eroberungen, den territorialen Expansionen, dem Imperialismus, den Entdeckungen fernster Kontinente, den Kolonien über die Philosophien in die Weite, die Grenzen des Denkens sprengend bis hin zur Kunst und Technologie, der Fernwaffe und der Arianeraketen. Selbst in der Ausprägung des europäischen Christentums lässt sich jene Grundtendenz wiederfinden. Spengler beschrieb sein Wesen treffend, wenn er behauptet, die „faustische Seele erwartet eine Unsterblichkeit nach dem leiblichen Ende, gleichsam eine Vermählung mit dem unendlichen Raum […].“(Untergang, S.242).

    Wie Religion nicht Kultur, sondern einzig Teil ihrer Äußerung ist, wird sie stets durch das Wesen der, sie tragenden Kultur, durchzogen und geprägt.
    Neben der unsrigen Kultur existieren heute noch weitere und in der Situation einer neuen Völkerwanderung gewinnt die Frage nach der eigenen Identität wieder gewaltig an Bedeutung. Nur wer das Eigene schätzen und lieben kann, kann sein Gegenüber wertschätzen und respektieren. Abgrenzung heißt nicht automatisch Ausgrenzung, sondern Sicherstellung der Grundlagen eigenen Fortbestandes! Sie ist als eine Reaktion auf bedrohliche Einflüsse von außen zu verstehen. Kulturen sind wie Organismen, die all ihre Möglichkeiten daransetzen, selbst überleben zu können.
    „So hat es jede der großen Kulturen zu einer geheimen Sprache des Weltgefühls gebracht, die nur dem ganz vernehmlich ist, dessen Seele dieser Natur angehört.“ (Untergang, S. 231)

     

    Literaturangabe:

    Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte, München 1923.

     

     

    Bekenntnis zur deutschen Kultur anstatt geheuchelter „Leitkultur“: Assimilation als Antwort auf gescheiterte Integration

    Noch zu Beginn des Jahres 2017 heizte Innenminister Thomas de Maizière mit einem zehn Punkte umfassenden Leitkanon die Scheindebatte um die sog. „deutsche Leitkultur“ erneut an und unternahm dadurch den Versuch, die allgemeine Deutungshoheit über die deutsche Identität und Kultur an sich zu ziehen. Offenbar teilt der CDU-Mann nicht das traditionelle Eigenverständnis der Deutschen von ihrer eigenen Kultur. So zitiert Zeit Online: „Er schreibt unter anderem, veraltete Ehrvorstellungen gehörten nicht zu Deutschland.“[1]

    Vor dem Hintergrund massenhafter Zuwanderung – besonders aus dem Orient und Afrika – wird selbst hartgesottenen Regierungspolitikern der etablierten Parteien klar, dass die Aufnahme dieser Menschenmassen Deutschland und Europa dauerhaft verändern wird. Im Zeitalter des real gelebten Multikulturalismus sind historisch gewachsene existente Völker den Apologeten einer „bunten Gesellschaft“ offensichtlich ein Dorn im Auge. Während die radikaleren Kräfte auf den Straßen „Nie wieder Deutschland!“ und „No Borders – No Nations!“ skandieren, tun linksgesonnene Akademiker das Volk an sich als eine dichotome Konstruktion ab und leugnen damit praktisch schon die bloße Existenz von Völkern.

    In einem ähnlichen Licht ist auch Thomas de Maizières Vorstoß in Richtung einer Kulturdebatte um das typisch Deutsche zu sehen. Auch hier wird der Versuch unternommen, tradierte und zugleich identitätsstiftende Kultur zu nivellieren und begrifflich neu zu besetzen. In Anbetracht faktischer Existenz einer gelebten und tradierten Kultur in unserem Land entzaubert sich jene Debatte um die „Leitkultur“ jedoch als das, was sie in Wirklichkeit ist – als eine Scheindebatte!

    Neben Ablenkung von bedeutsamen und gravierenden Veränderungen in Europa und Deutschland soll diese Kunstdebatte die öffentliche Wahrnehmung vor allem von dem Scheitern der Integration zugewanderter Menschen fremder Kulturkreise wegleiten. So ist es schließlich nur logisch, nachdem eine überwiegende Anzahl zugewanderter Menschen mit eigenen festen Wertemaßstäben dem Integrationsaufruf nicht gefolgt waren, den kulturellen Standpunkt (also die eigene Identität) zugunsten von anpassungsresistenzen Einwandererschaften umzudeuten. Selbst linksorientierte Politikwissenschaftler erkennen aber heute, dass Forderung und Erwartung einer selbstlosen Integration ideologischer Selbstbetrug waren. So schlussfolgert der niederländische Soziologe Ruud Koopmans selbstreflektierend „Multikulti ist gescheitert“ und „Assimilation ist besser als Multikulturalismus.“[2] Die Voraussetzungen für Zuwanderer in den Niederlanden seien laut Koopmans lange Zeit liberaler und großzügig gewesen. Wörtlich: „In meinem Heimatland, die Niederlande, so meinte ich, war die Integrationspolitik viel besser aufgestellt als in Deutschland. Dort war es sehr leicht, die niederländische Staatsangehörigkeit zu bekommen, Sprachanforderungen wurden kaum gestellt, die doppelte Staatsangehörigkeit war ohne Einschränkungen erlaubt, es gab das kommunale Wahlrecht für Ausländer, ethnische Selbstorganisationen wurden großzügig subventioniert, und wir hatten zusammen mit Großbritannien die strengste Antidiskriminierungsgesetzgebung Europas.“[3] Doch trotz all dieser Vorzüge hätten sich die Einwanderer nicht in seine Heimat integriert.

    Wenn wir heute in Deutschland ähnliche Entwicklungen feststellen und daraus den Schluss ziehen, dass es an der eigenen kulturellen Selbstwahrnehmung liegen und wir sie deshalb umschreiben müssten, gehen wir den Weg der Selbstverleugnung noch weiter. Stellt man alle Integrationsbilanzen auf dem Kontinent in Vergleich nebeneinander, zeigt sich überall das gleiche Resultat – nämlich dass die Integration flächendeckend gescheitert ist.

    Immer wenn sich ein Weg als Einbahnstraße entpuppt, sollte man im Sinne der praktischen Vernunft anfangen umzudenken und andere Gangweisen in Betracht ziehen. Alles andere zeugte von ideologischer Starrsinnigkeit. Nun liegt es auf der Hand, dass das aktuell noch verpönte Gegenkonzept zur Integration die Assimilation ist. Wie steht es aber mit dem Assimilationswillen von Immigranten in Deutschland? Für Aufsehen und Empörung sorgte 2010 die berüchtigte Rede des türkischen Premierministers Tayyip Erdogan in Köln, in der er vor seiner Anhängerschaft in Deutschland von der Assimilation als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ sprach.[4] Ankommen in der deutschen Gesellschaft Fehlanzeige! Darum verwundert es nicht, dass in hiesigen Ballungsräumen immer mehr Parallelgesellschaften und ausländisch geprägte Enklaven entstehen, wo die deutsche Kultur keine Rolle mehr spielt. Überspitzt, aber von vielen betroffenen Anwohnern so wahrgenommen, könnte auch von fremder Landnahme gesprochen werden.

    Im Gegensatz zur autochthonen Bevölkerung leben Zuwanderer, nicht zuletzt aus patriarchalischen Kulturkreisen, ihre Wertevorstellungen stolz und repräsentativ aus. In Deutschland tut man sich aufgrund eines historischen Tunnelblicks auf ganze zwölf Jahre Schreckensherrschaft allerdings damit schwer. So nehmen uns auch Zuwanderer wahr und machen ihre eigenen Identitätsansprüche daher zunehmend fordernd geltend. Einhergehend mit dem allgemeinen europäischen Werteverfall, ideologisiertem Kulturnihilismus und offenkundig gelebtem Selbsthass schaffen wir selbst ein Vakuum, das folglich von anderen entschlosseneren Wertevorstellungen und Kulturidentitäten ausgefüllt wird. So liegt es nun einmal in der Natur der Sache.

    Um der zunehmenden Aufsplitterung Deutschlands wirksam entgegentreten zu können, bedarf es nicht bloß eines längst überfälligen Einwanderungsgesetzes, einer Sicherung der nationalen Grenzen im Falle des Scheiterns der kontinentalen Außengrenzen, konsequenter Abschiebungen bei illegaler Einreise und der rechtlichen Umsetzung gesetzlicher Asylrechtsbestimmungen, sondern ebenso zwingend eine Rückbekehrung auf die eigenen deutschen Wurzeln und Identität. Nur so lässt sich Parallelgesellschaften effektiv entgegenarbeiten.

    Es wird Zeit, sich wieder der eigenen deutschen – mehr als 2000 Jahre alten – Geschichte und Kultur zu erinnern, sie zu vermitteln, zu pflegen und weiterzugeben. Lebenswert und liebenswert ist sie allemal!

     

    Quellenangaben:

    [1]http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-04/thomas-demaiziere-innenminister-leitkultur (12.08.2017, 19:30)

    [2]http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/mulitikulti-gescheitert-ein-deutsch-niederlaendischer-vergleich-15055787.html (14.08.2017, 14:09)

    [3] Ebenda.

    [4]http://www.sueddeutsche.de/politik/erdogan-rede-in-koeln-im-wortlaut-assimilation-ist-ein-verbrechen-gegen-die-menschlichkeit-1.293718-9 (14.08.2017, 15:04)